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Funde und Entdeckungen am alten Dom St. Johannis

Zahlreiche Funde geben Auskunft über die einst reichhaltige Innenausstattung der Kirche

In den Jahren seit 2013 sind viele spektakuläre Funde in der St. Johanniskirche  - dem Alten Dom gemacht worden. Auf diesen Seiten möchten wir Ihnen immer wieder neue Fundstücke vorstellen. Auch, um zu dokumentieren, wie komplex und vielschichtig die Untersuchungen in der ältesten Mainzer Kirche sind. Je nachdem wie sich neue Erkenntnisse ergeben, werden sie aufgenommen und dargestellt. Eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung steht für die meisten dieser Fundstücke noch aus. Sollten die ersten Ergebnisse vorliegen, werden entsprechende Hinweise bzw. Literaturempfehlungen aufgenommen.

Filigrane mittelalterliche Fingerhüte

Aus dem Westchor der Kirche St. Johannis in Mainz konnten zwei vollständig erhaltene Fingerhüte aus Buntmetall geborgen werden, der links abgebildete noch in seiner ursprünglichen Form erhalten, der rechte zerdrückt. Diese Fingerhüte sind sicher mittelalterlich zu datieren, wohl in das 13./14. Jahrhundert. Sie sind etwa 1,3 cm hoch. Ihre Mulden sind unterschiedlich angeordnet: während der eine 13 horizontale Punktreihen aufweist, hat der andere 21 vertikale Reihen. Möglicherweise stammen diese Fingerhüte aus Köln oder Nürnberg, beide Städte waren im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit Hochburgen des Fingerhuthandwerks, 1537 erhielten die Nürnberger Fingerhuter (Fingerhutmacher) sogar eine eigene Zunftordnung.
Jonathan Burrows (IBD)

Halbkapitell aus der Romanik im gotischen Chor

Einen weiteren Fund in der Johanniskirche brachten nun die jüngsten Forschungen im Westchor der Kirche zutage. Ein in die Südmauer des Westchores vermauertes Fragment eines romanischen Halbkapitells. Dr. Guido Faccani, Wissenschaftlicher Forschungsleiter an St. Johannis, schätzt dessen Entstehungszeit ins 12. Jahrhundert. Im Zuge der gotischen Veränderungen hat dieses Bauelement dann einen neuen Platz als Mauerstein gefunden. Ob dieses Halbkapitell bereits zur Ausstattung der Kirche gehört hat oder von einem anderen Bauwerk nach St. Johannis verbracht worden ist, kann im Moment noch nicht gesagt werden. 

Halbkapitell im Westchor

Gotische Sockel im Westchor wieder freigelegt

Nach der Tieferlegung des Fußbodenniveaus im Bereich des Westchores kamen auch wieder die Sockel der gotischen Bündelpfeiler zutage, die das um die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts entstandene Kreuzrippengewölbe des Westchores tragen. Durch die Freilegung konnte auch die einstige Chorbank der Stiftsherren wieder sichtbar gemacht werden.  

Römische Spolienfunde in den Mauern von St. Johannis

In vielen Bereichen der St. Johanniskirche konnten Grabplatten oder - Inschriftentafeln gefunden werden, die bei Arbeiten als Baumaterial verwandt wurden. Bei diesen aus einem anderen Zusammenhang stammenden und in einem neuen Bauwerk aufgenommenen Steinen spricht man von Spolien.

Sarkophag im Außenbereich beim Westchor

Bei den ersten Sondierungen im Außenbereich von St. Johannis wurde dieser steinerne Sarkophag im Bereich eines ehemaligen Friedhofs freigelegt. Die zeitliche Datierung ist jedoch noch unklar. Interessant ist der Fundort an der Südseite des Westchores.

Eingang unter den Westchor vermutlich Zugang zur Krypta

Im Rahmen der Freilegung des Kellers unter der ehemaligen Sakristei konnte in ungefähr drei Meter Tiefe ein Türsturz freigelegt werden, der mit großer Wahrscheinlichkeit den Eingang zur vorgotischen Krypta überragte. Ein ungefähr noch ein Meter langer Gang wird durch das Fundament des gotischen Vierungspfeilers gekappt. Im Westchor werden z. Zt. weitere Bodenuntersuchungen durchgeführt, die über die Form und Größe der Krypta Auskunft geben sollen.

Altarornament aus St. Johannis

Altarornament aus der Kirche St. Maria Geburt und St. Mauritius in Altenbamberg. Zu sehen sind die Stiftertafel und das Stifterwappen eines ehemaligen St. Viktoraltars. Mit großer Wahrscheinlichkeit stammt die Platte aus St. Johannis. Vermutlich wurden sie im Rahmen der Sakularisierung von St. Johannis abgenommen und später an die Gemeinde in Altenbamberg verkauft.

Heute in Altenbamberg bei Bad Kreuznach

Die Stiftertafel befindet sich heute in Altenbamberg und ist dort in der Südwestecke hinter der Orgel angebracht.
Die Inschrift lautet in deutscher Übersetzung: "Zu Ehren Gottes des Gnädigsten und Erhabenen. Dem Hl. Victor und seinen Martyriumsgefährten ließ diesen Altar anfertigen der Simon Hemarus von Cappel. Kapitularkanoniker der Ritterstifte von St. Alban bei Mainz und St. Ferrutius in Bleidenstadt (bei Wiesbaden), sowie der angesehenenen Kollegienkirche St. Victor im Jahre 1695."

Farbenfrohe Fußbodenfliesen aus gotischer Zeit

Nach der Freilegung des Bodenniveaus aus der Zeit der Gotik, kamen neben einer Vielzahl von Fliesenabdrücken auch originale Teile des einstmals gotischen Bodens zutage. Sie geben einen Eindruck, wie changierend sich die farbigen Fliesen im Lichte der wohlmöglichen bunten Glasfenster präsentierten. Fundort: Südostecke des Mittelschiffs.

Einzelfunde

Grabsteinfragment aus dem 5. Jh.

Von außerordentlicher Qualität ist dieses Fragment eines wohl spätantiken christlichen Grabsteins. Im unteren Bereich des Fragments haben sich meisterhaft gefertigte Weinrankenmotive erhalten. Die Inschriftenfragmente im oberen Bereichauf weisen vermutlich auf ein Christusmonogramm hin. Das Fragment hat eine Größe von ungefähr 45 auf 30 Zentimeter und ist in der Vierung der Kirche im Bauschutt gefunden worden.

Chorschrankenelement 9./10. Jh.

Fragmente einer Chorschrankenplatte. Gefunden im Westchor der Kirche. Die Chorschranke wurde steinmetzmäßig hochwertig gearbeitet. Bereits 1906 konnte dieser Teil der Platte bei Grabungen gesichert werden.

Über 100 Jahre später wurde im Rahmen der jüngsten Ausgrabungen ein weiteres Teil gefunden, das exakt in das bereits vohandene passt. Im Landesmuseum Mainz ist eine Rekonstruktion dieser Chorschrankenplatte ausgestellt, der die beiden gefundenen Elemente enthält.

Rekonstruktionsversuch der gesamten Chorschranke
Im Jahr 2015 wurde durch das Restaurierungsbüro eine Rekonstruktionszeichnung der Chorscrhanke angelegt, die auch die vorhandenen Farbreste mit berücksichtigt. (Gezeichnet von Thomas Lutgen, Mai 2015).

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