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Zur Baugeschichte der St. Johanniskirche

In der historischen Forschung der vergangenen 100 Jahre wurde das Alter der Johanniskirche oft diskutiert. Vermutet wurde dabei immer wieder, dass es sich bei St. Johannis um den spätkarolingischen Vorgängerbau des heutigen St. Martinsdomes handeln könnte. Die umfangreichen archäologischen, bauhistorischen und restauratorischen Untersuchungen in und an St. Johannis haben zur Klärung dieser Frage eine Vielzahl neuer Entdeckungen erbracht. So kann die Frage nach dem Alter nun eindeutig beantwortet werden.

Die wahrscheinlich wichtigste Nachricht lautet: Die Johanniskirche ist der Alte Dom von Mainz. Und: Sie ist etwa 250 Jahre älter, als bisher angenommen und der älteste Kirchenbau in Mainz. Damit ist sie gleichzeitig der einzige, in seinem Raumgefüge erhaltene Kirchenbau nördlich der Alpen aus merowingischer Zeit. Seitdem wurde die Kirche in ihrem Baubestand zwar immer wieder verändert und an die Erfordernisse der Zeit angepasst. Ihre Ausmaße sind heute aber immer noch die gleichen, wie vor 1400 Jahren.

Die Forschungsergebnisse haben zur Folge, dass die Geschichte dieser Kirche nun in weiten Teilen neu geschrieben werden muss. Erste Ergebnisse, die auf den Untersuchungen der Archäologen und Historiker basieren, möchten wir Ihnen in dieser kleinen Baugeschichte von St. Johannis zugänglich machen.

Die Vorgängerbebauung

Bereits durch ältere Grabungen konnte nachgewiesen werden, dass es um die Mitte des 3. Jahrhunderts nach Christus schon eine römische Bebauung im Gebiet der heutigen Kirche gab.

An gleicher Stelle wurden im 4. oder 5. Jahrhundert dann Großarchitekturen mit Höhen von mindestens 10 Metern errichtet. Es dürfte sich um mehrere Gebäude gehandelt haben, von denen einer rechteckig, 20 Meter breit und mit seiner Mittelachse parallel zur heutigen St. Johannis- kirche ausgerichtet war. Die ursprüngliche Funktion dieser Gebäude ist (noch) nicht bekannt.

Es ist möglich, dass die Bauten bereits im 5. oder 6. Jahrhundert als Kirche umgenutzt wurden. Daraus wurde dann wohl spätestens ab dem 6. Jahrhundert in fränkischer Zeit die Amtskirche eines Bischofs.

Der merowingische Dom

Unter der Herrschaft der Merowinger entwickelte sich Mainz immer mehr auch zu einem wirtschaflichen und spirituellen Mittelpunkt im östlichen Teil des Frankenreiches. Zu einem solchen Zentrum gehörte selbstverständlich auch eine repräsentative Bischofskirche.

Daher wurde auf dem Fußboden des Vorgängerbaus in der Zeit zwischen 640 und 680 ein mächtiger Dom errichtet. Teilweise wurden dabei Mauern des Vorgängerbaus übernommen. Manche sogar bis in über 10 Metern Höhe.

Von der Pracht als bedeutende Bischofskirche zeugen die Ausmaße des Baus: Er wurde als dreischiffige Basilika mit zwei Altarräumen, einer Vierung im Westen und einem Westquerhaus angelegt. Er zeichnet sich durch ein breites Mittelschiff (13 Meter), weite Seitenschiffe (7 Meter) und große Fenster aus.

Diese monumentalen Dimensionen sind äußerst ungewöhnlich für diese Zeit des frühen Mittelalters und spiegeln das Erbe des architektonischen Könnens der Spätantike wider, das erst von den Dombaumeistern einige Jahrhunderte später wieder übertroffen werden sollte.

Karolingische Reparatur unter Bischof Hatto I.

Die merowingische Domkirche muss sich in den Jahrzehnten vor 900 in einem schlechten baulichen Zustand befunden haben. Grund dafür war eine Setzung des Langhauses, deren Risse noch heute am Mauerwerk sichtbar sind. Deshalb waren im Bereich der Langhausobergaden umfangreiche Ausbesserungs- und Verschönerungsarbeiten erforderlich.

In der Sachsengeschichte des Widukind von Corvey wird über Erzbischof Hatto I. berichtet, dass er dem "Dom von Mainz durch einen edlen Bau Glanz verlieh." Die Notiz ist zu vage um Auskunft  über Art und Umfang geben zu können, sie könnte aber ein Hinweis auf eben diese Arbeiten sein.

Es ist anzunehmen, dass zu dieser Zeit auch im alten Mainzer Dom bereits Krypten und Seitenaltäre für die stetig wachsende Verehrung von Heiligenreliquien vorhanden waren. Über Lage und Ausstattung insbesondere der Krypten werden die andauernden Grabungen sicher bald Neues ans Licht bringen.

Nutzung während des Domneubaus um 1000

Um 980 - zu einer Zeit, in der Erzbischof Willigis schon den Neubau des Doms in unmittelbarer Nähe geplant oder sogar bereits begonnen hatte - erfolgte ein weiterer Umbau am alten Dom. Insbesondere wurden dabei die kreisförmigen Öffnungen über den Rundbogenfenstern des 7. Jahrhunderts eingesetzt. Diese Maßnahmen verdeutlichen die Absicht des Erzbischofs, den alten Dom nach der Einweihung des neuen nicht abzureißen, sondern als Teil einer Kathedralgruppe weiter zu nutzen. So sollte der gestiegene Einfluss des Erzbistums Mainz im Heiligen Römischen Reich auch baulich sichtbar werden.

Außerdem hatte man dadurch einen entscheidenden Vorteil während der Bauzeit für den Neubau: Bis zu seiner Fertigstellung konnte der bestehende Dom einfach weiter für das geistliche Leben der Diözese genutzt werden. Deshalb fand das reichspolitisch hochbrisante Ereignis der Krönung Heinrichs II. zum deutschen König 1002 im Alten Dom - dem heutigen St. Johannis statt.

Willigis' Plan sollte sich auch aus einem weiteren Grund für den Alten Dom als äußerst günstig erweisen: Als der Willigis-Dom in der Nacht seiner Weihe vom 28. auf den 29. August 1009 vollständig zerstört wurde, war dies zwar ein herber Verlust, aber man konnte ja wie bisher auf die alte Bischofskirche zurückgreifen, während nebenan die Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten liefen. So kam es, dass Erzbischof Aribo die Königskrönung von Konrad II. im Jahr 1024 ebenfalls noch im Alten Dom vornahm.

Umbau vom Dom zur Stiftskirche

Als 1036 der in einer Achse mit dem Alten Dom liegende neue Martinsdom unter Bischof Bardo fertiggestellt wurde, konnte der Alte Dom anderweitig genutzt werden: Er bekam eine neue Funktion als zum Dom gehörende Kirche des neugegründeten St. Johannisstifts. Die beiden Kirchen wurden deshalb durch einen Paradiesgang miteinander verbunden. Im "Aldedum" wurde so der bisherige Nebenpatron Johannes der Täufer zum Hauptpatron, dennoch wird das Kirchweihfest noch immer am Martinstag (11. November) gefeiert.

Damit aus dem Alten Dombau auch optisch eine Stiftskirche werden konnte, fanden umfangreiche Baumaßnahmen statt: Das Querhaus im Westen wird abgebrochen und sein Erdgeschoss zur Verlängerung der Seitenschiffe genutzt. Die hohen Vierungsbögen zu den ehemaligen Querarmen im Süden und Norden werden zugemauert und darunter Pfeilerarkaden eingezogen. So kann das kurze Langhaus optisch verlängert und Platz für weitere Seitenaltäre geschafffen werden. Durch alle diese Maßnahmen erhielt die Kirche eine Neuausrichtung auf den Johannesaltar im Osten. Bei den laufenden Untersuchungen wurden außerdem mehrfach Reste romanischer Wandmalereien gefunden. Sie könnten ebenfalls aus der Zeit des Umbaus im 11. Jahrhundert stammen.

13. Jahrhundert

Dem Stift standen von Anfang an nur wenige Pfründen zur Verfügung, weshalb die Stiftsherren bei den immer wieder anstehenden Reparaturarbeiten oft nur das Nötigste flicken konnten.

Regelmäßig berichten Quellen über den schlechten Bauzustand der Kirche. So auch 1235 Papst Gregor IX.: Er wies damals explizit auf den ruinösen Zustand der außerordentlich alten Kirche hin.

Um an Mittel für Wiederherstellungsarbeiten zu kommen, werden Spendern immer wieder Ablässe gewährt, 1251 zum Beispiel 40 Tage.

Im Zuge der Baumaßnahmen dieser Zeit wird eine erste Erhöhung des Bodenniveaus um 20 Zentimeter vorgenommen und der Fußoden mit farbigen Kacheln verziert. Der Vierungsbereich wird dabei um 60 Zentimeter angehoben.

Gotische Umbauten des 14. Jahrhunderts

Der romanische Kirchenraum entsprach im Zeitalter der Gotik bald nicht mehr den liturgischen Anforderungen. Deshalb fanden erneut umfangreiche Baumaßnahmen statt, insbesondere im Westen.

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts entstand in der ehemaligen Vierung ein Lettner mit einer nach Osten vorspringenden polygonalen Bühne. Ungefähr zur gleichen Zeit riss man das merowingische Altarhaus im Westen komplett ab und ersetzte es durch einen gotischen Chorraum mit mächtigen Außenmauern und nahezu quadratischem Grundriss.

Ein wohl geplanter Gesamtneubau der Kirche blieb damals aus heute ungeklärten Gründen in seinen Ansätzen stecken. Vielleicht, weil trotz wiederholter Ablässe nicht einmal die für eine Renovierung der maroden Bausubstanz nötigen Summen aufgebracht werden konnten. Ein Neubau wäre also erst Recht nicht finanzierbar gewesen.

Doppelnutzung ab dem 16. Jahrhundert

Durch die Zerstörung der Viktorkirche in Weisenau 1552 wird das dort ansässige Victorstift heimatlos. Der Erzbischof wies darauf das Stiftskapitel an, seinen Chordienst von nun an in St. Johannis zu halten.

Die Kirche war durch diese Maßnahme für die nächsten Jahrhunderte quasi geteilt. Der Altarraum im Osten blieb weiter in der Hand des Stiftes St. Johannis, der Altar im Westen gehörte zu St. Victor. Eine Klärung des rechtlichen Verhältnisses der beiden Stifte zueinander erfolgte allerdings nie.

Darum kam es in der Folgezeit regelmäßig bei Finanzierungfragen zu Auseinandersetzungen der beiden Stifte. Die reicheren Viktorianer weigerten sich, den von St. Johannis geforderten Anteil an den Reparatur- und Unterhaltungsmaßnahmen zu übernehmen. Kam es ausnahmsweise - oft unter Anrufung der Bischöfe - doch zu einer Einigung, so wurden trotzdem nur kleinflächige Ausbesserungen, z.B. am Dach vorgenommen, während die alte Bausubstanz weitgehend erhalten blieb. Ein für die heutigen Forschungen durchaus glücklicher Umstand, denn so wurde die Kirche in ihrem Grundbestand abermals nicht verändert.

SKA_JohStiftertafel des barocken St. Victor-Altars
Stiftertafel des barocken St. Victor-Altars aus dem Jahr 1695. Heute befindet sich die Tafel in der katholischen Kirche Altenbamberg/Alsenz. Übersetzung: "Zu Ehren Gottes des Gnädigsten und Erhabenen. Dem Hl. Victor und seinen Martyriumsgefährten ließ diesen Altar anfertigen der Simon Hemarus von Cappel. Kapitularkanoniker der Ritterstifte von St. Alban bei Mainz und St. Ferrutius in Bleidenstadt (bei Wiesbaden), sowie der angesehenenen Kollegienkirche St. Victor im Jahre 1695."

Einzug des Barock

Der Bauzustand der Kirche verschlechterte sich in den Folgejahren immer weiter - wohl auch der Tatsache geschuldet, dass die Mauern der Kirche bei ihrem Bau im 7. Jahrhundert einfach auf den Estrich der Vorgängerbebauung gesetzt und nicht neu fundamentiert wurden. Um die Kirche an das Straßenniveau der Zeit anzupassen, entschloss man sich 1685, das Bodenniveau der Kirche um insgesamt 2,65 Meter anzuheben. Zeitgleich wurde die Mauer des südlichen Seitenschiffs neu aufgemauert, das Dach neu gedeckt und innen eine hölzerne Gewölbedecke eingezogen. Außerdem bekam der Westchor eine barocke Turmkuppel.

Auch die Einrichtung der Kirche entsprach nicht mehr dem barocken Verständnis der Theologie. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden die romanischen Wandmalereien abgeschlagen und die gotische Lettneranlage abgerissen. Deren Reste wurden zur Verfüllung des Bodens in der Kirche verwendet. Auch in der Kellerverfüllung des später als rheinhessisches Forstamt genutzten Nachbargebäudes wurden jüngst Teile des Lettners gefunden. An seiner Stelle erfolge der Einbau einer Kommunionbank in Vierung und Langhaus.

Außerdem wurde 1738-40 die Ostapsis niedergelegt, der Haupteingang an die neuangelegte Fassade hin zur Schöfferstraße verlegt. Durch Schaffung dieser neuen Eingangssituation musste der zweite, östlich gelegene Altarraum komplett aufgegeben werden. Zuletzt brannte nach einem Blitzeinschlag 1767 auch noch der Paradiesgang zwischen altem und neuem Dom ab und wurde nicht wiederaufgebaut. Die Schöfferstraße verbindet seitdem Höfchen und Leichhof.

Säkularisierung unter französischer Herrschaft

Während der Besatzung von Mainz durch die französischen Revolutionstruppen 1792/93 wurde St. Johannis wie alle Kirchen säkularisiert und diente fortan als Strohlager und Militärdepot. Um eine Durchfahrt mit Fuhrwerken zu ermöglichen, wurden die mittleren Pfeiler der Langhausarkaden zugunsten einer Einfahrt abgebrochen.

In Folge der Aufhebung aller geistlichen Güter 1802 blieb die Kirche staatlich und die ab 1814 in Mainz stationierten Truppen des Deutschen Bundes nutzten sie weiterhin als Lager und Räucherkammer. Einer der beiden östlichen Seitenanbauten wurde nachweislich bereits ab 1816 als Ladengeschäft einer Eisenwarenhandlung benutzt.

St. Johannis wird evangelisch

Die 1802, als erste unierte Gemeinde gegründete, evangelische Gemeinde Mainz übernahm am 1. Mai 1828 im Tausch gegen die zu klein gewordene Welschnonnenkirche St. Johannis von der Bundesfestung. Nach einer aufwändigen Um- und Wiederaufbauphase konnte die Kirche ab 1830 erneut als Gotteshaus genutzt werden. Bis zur Eröffnung der Christuskirche 1905 war sie die einzige evangelische Kirche in Mainz.

Die Konzeption entsprach dem Ideal eines evangelischen Kirchenraums: Als einschiffiger Sakralraum sollte er ganz auf die Verkündigung des Evangeliums ausgerichtet sein. Dafür mussten die Langhausarkaden zugemauert und die Seitenschiffe baulich abgetrennt werden. So konnten diese als Geschäfte vermietet werden. Im Mittelschiff zog man an den Seiten Emporen ein, die auf Säulen aus Stuckmarmor ruhten. Unter Einbeziehung der Vierung und des Westchors wurde das liturgische Zentrum komplett neu gestaltet: Vor der Orgelempore im Westchor platzierte man im Vierungsbereich die Kanzel, den Altar und zuvorderst das Taufbecken. So lagen alle für die nach evangelischem Verständnis zur Verkündigung des Evangeliums vorgesehenen Orte auf der Mittelachse der Kirche.

Im Laufe des Jahrhunderts wurden nochmalig Veränderungen notwendig: Bei der Explosion der Zitadelle 1857 kam es auch in St. Johannis - vor allem auf der Südseite - zu Zerstörungen im Bereich der Seitenschiffe, der Vierung und der Fenster, welche anschließend wieder aufgemauert werden mussten. 1884 wurde durch Versetzung der Kanzel an den nordöstlichen Vierungspfeiler die Einheit von Kanzel und Altar aufgegeben, um vor der Orgelempore und im Ostchor einige Hundert Sitzplätze für die stetig weiter anwachsende Zahl der Gottesdienstbesucher zu schaffen.

Die Kirche als Gesamtkunstwerk im Jugendstil

Von 1906 bis 1907 baute der renommierte Darmstädter Architekt und Denkmalpfleger Friedrich Pützer St. Johannis gemäß dem sogenannten Wiesbadener Programm im Jugendstil um. Gemäß dieser Programmschrift sollte das protestantische Verständnis vom Priestertum aller Gläubigen auch gerade durch die Innenkonzeption eines Gotteshauses deutlich werden.

Die Seitenschiffe im Vierungsbereich bezog man in den einschiffigen Kirchenraum mit ein, um so wenigstens im Ansatz eine Art Zentralbau zu schaffen. Dabei wurden die Arkaden im Vierungsbereich auf den romanischen Bestand zurückgebaut. Die Seitenschiffe entlang des Langhauses blieben weiterhin abgetrennt. Sie wurden allerdings nicht mehr extern vermietet, sondern als Gemeindehaus und Küsterwohnung genutzt.

Das Mittelschiff gestaltete man so um, dass in ihm die Einheit der Gemeinde symbolisch verdeutlicht werden konnte. Dazu gehörte unter anderem, dass man die liturgischen Hauptstücke Orgel, Kanzel und Altar wieder in die Zentralachse zurückverlegte. Die Orgelempore wurde durch eine Sängerbühne ergänzt, die Einheit von Wort und Sakrament durch den Bau eines steinernen Kanzelaltars hervorgehoben. Die gesamte künstlerische Gestaltung von den Raumausmalungen bis hin zu den Türknäufen erfolgte "aus einem Guss" im Jugendstil.

Vor den Umbauarbeiten fanden unter Leitung des Kunsthistorikers Rudolf Kautzsch umfangreiche archäologische Grabungen statt, aus denen er schlussfolgerte, dass St. Johannis der alte Dom von Mainz ist. Allerdings setzte er nach heutigem Kenntnisstand die Erbauungszeit der Bischofskirche um fast 250 Jahre zu spät an, nämlich erst um 900.

Kriegszerstörungen

Gegen Ende des Ersten Weltkriegs wurde St. Johannis 1918 von einer Fliegerbombe getroffen und die Inneneinrichtung beschädigt. Die erforderlichen Wiederherstellungsarbeiten schlugen mit 45.000 Reichsmark zu Buche.

Wesentlich fataler war der Dachstuhlbrand in Folge eines der ersten größeren alliierten Fliegerangriffe auf Mainz in der Nacht vom 11. auf den 12. August 1942. Durch ihn brannte die Kirche mit all ihren Nebenräumen aus. Dadurch gingen die gesamte Jugendstileinrichtung, die Orgel und auch das gotische Westchorgewölbe verloren. Die Außenmauern blieben allerdings in ihrer vollen Höhe stehen. Bis 1948 diskutierte man immer wieder, die Ruine von St. Johannis zugunsten eines Parkplatztes oder des Rathausneubaus abzureißen. Man entschied sich jedoch 1949 für Erhaltung und Wiederaufbau als Kirche - auch wegen ihres hohen Alters und ihrer Bedeutung für die Stadtgeschichte.

Wiedereinweihung 1956

Aus Sicht der Kirchengemeinde war die vordringlichste Aufgabe die Einrichtung einer Notkirche im südlichen Seitenschiff. Dies geschah gleich zu Beginn der Arbeiten im Spätjahr 1949. So konnten an St. Johannis noch im selben Jahr wieder Gottesdienste gefeiert werden.

Die Wiederaufbauarbeiten am eigentlichen Sakralbau erfolgten wesentlich stockender und nahmen - auch wegen der knappen gesamtkirchlichen Mittel - mehr Zeit in Anspruch als ursprünglich geplant. Sie wurden nach den Plänen des Architekten Karl Gruber durchgeführt, der die Kirche in einem sachlich schlichten, teilweise historisierenden Stil wieder aufbaute.

Laut eigener Aussagen war sein Ziel, so viel historische Bausubstanz wie möglich zu erhalten. Dieses Ziel wurde vor allem in den beiden Chören und in den oberen Zonen des Baus erreicht, wo die vorhandene Bausubstanz lediglich ausgebessert und stabilisiert wurde. Warum dagegen im Langhaus und der Vierung fast der gesamte Erdgeschossbereich mit Backstein neu aufgemauert wurde, lässt sich heute nicht mehr rekonsturieren.

Das Raumgefühl des Gruber'schen Kirchenraums wurde wesentlich geprägt vom Einzug einer hölzerne Tonnendecke und der Orgelempore im Ostchor, sowie der Freisetzung der gotischen Fenster im Westen. Dadurch verwandelte sich der Westchor wieder in einen lichtdurchfluteten Raum mit viel Platz für den freistehenden Altar. Auch bei diesem evangelischen Umbau blieben die Seitenschiffe weiterhin für die Nutzung als Gemeinderäume abgetrennt.

Umfassende Forschertätigkeit seit 2013

Nach Abschluss der Außenrenovierung wurden zu Beginn der Restaurierungsarbeiten im Innern durch Zufall Reste eines Pfeilers aus merowingischer Zeit entdeckt. Seither finden an St. Johannis umfassende Forschungstätigkeiten statt.

Bei den Ausgrabungen kamen unter anderem Mauern und Bodenreste der Antike und des Frühmittelalters zum Vorschein, ebenso über 90 Grabstätten in und außerhalb der Kirche. Die zahlreichen Funde umfassen zum Beispiel reich verzierte frühmittelalterliche Schrankenplatten, mittelalterliche Stuckskulpturen und Verputzfragmente unterschiedlicher Zeitepochen. Hinzu kommen aus dem Verfüllungsboden aber auch viele Alltagsgegenstände, wie Glasreste, Gürtelschnallen oder Ofenkacheln. Die archäologischen Arbeiten werden bauhistorisch und restauratorisch begleitet.

 

Text: Christian Brost, zio

Bildquellen: Stadtarchiv Mainz, Dom- und Diözesanmuseum Mainz, SKA_Joh

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