Menu
Menü
X

Tagesexkursion des evangelischen Dekanats Mainz nach Colmar

Auf den Spuren von Mathis dem Maler

Erläuterungen vor dem Isenheimer Altar von Matthias Grünewald

Um mehr über das Wirken und Schaffen von Matthias Grünewald und sein sein Hauptwerk, dem Isenheimer Altar, zu erfahren, brachen knapp 50 Teilnehmer zu einer Tagesexkursion in das Museum Unterlinden nach Colmar auf. Dort ist der aufwändige in der Zeit von 1512 – 1516 entstandene Flügelaltar seit 2015 in einer neuen Konzeption aufgestellt.

Die Exkursion stellte auch den Abschluss der diesjährigen Kooperation des Evangelischen Dekanats Mainz mit dem Staatstheater Mainz dar. Unter dem Motto "Im Anfang stand das Wort" fanden von Ende Oktober 2016 bis Ende Mai 2017 eine Vielzahl von Gesprächsreihen, Gottesdiensten und Lesungen zu ausgewählten Stücken des Staatstheaters in Mainz statt. Neben Nathan der Weise von Lessing und dem Tanztheaterstück "Shift" gehörte auch die Paul Hindemith-Oper "Mathis der Maler" zum gemeinsamen Kooperationsprogramm. In der 1938 in Zürich uraufgeführten Oper geht es Hindemith um das Verhältnis des Künstlers zum eigenen Leben und Werk. Mit dem Leitsatz "Hast du erfüllt, was Gott dir auftrug" beschäftigt sich Hindemith mit der Verantwortung des Künstler gegenüber Gesellschaft und Kirche und seinem Auftrag. Als Protagonist seiner Oper Matthias Grünewald, der im 15 Jahrhundert vor allem für die Erzbischöfe in Mainz seine Werke schuf, eine ideale Figur. Insbesondere vor dem Hintergrund der beginnenden Reformation und ihren Auseinandersetzungen sah Hindemith in Grünewald einen Seelenverwandten. So ging es ihm auch nicht darum, die historische Person Grünewalds auf die Bühne zu bringen, sondern eine Kunstfigur, die versucht, sich in den Zeitläuften zu behaupten.

Auf der Spur des historischen Malers Grünewald

Umso mehr war die Fahrt nach Colmar darauf ausgelegt, den "historischen Matthias Grünewald in seiner Zeit kennenzulernen", wie Isa Mann, Leiterin der Evangelischen Erwachsenenbildung des Dekanats Mainz die Idee zur Fahrt erläutert. So klar das besondere Werk und die Qualität der Arbeit gerade im Isenheimer Altar des Künstlers zu erkennen ist, so schwer tut und tat sich die Kunstgeschichtsforschung mit der Person Matthias Grünewald. Wenige seiner Werke sind signiert. So sind heute eine Vielzahl von Namensbezeichnungen überliefert: "Matthias von Aschaffenburg, Grünwald, Grünwalt, Matthaei von Aschaffenburg, Matthaeus Grünenwald von Aschaffenburg, Mahler.Allein schon an der Vielzahl der überlieferten Namen lässt sich erkennen, wie schwierig es ist, den Menschen Matthias Grünewald historisch exakt zu erfassen", erläutert Referent Gregor Ziorkewicz, Pfarrer für Stadtkirchenarbeit an St. Johannis, während der Fahrt nach Colmar. Durch Vergleiche mit anderen Kunstwerken habe sich aber heute ein Opus von knapp dreißig Werken des Malers erhalten, den man Matthias Grünewald nennt.

Ein außergewöhnliches Werk

Als das bedeutendste und bis zum heutigen Tage Menschen in den Bann ziehende Kunstwerk Grünewalds gilt der Isenheimer Altar, der für eine Antoniterabtei südlich von Colmar geschaffen wurde. Der Altar kam in die Kapelle des Bettelordens, der sich für Menschen, die an einer Pilzerkrankung litten, die man damals das "Heilige Feuer" bzw. Antoniusfeuer nannte, kümmerte. Die Krankheit hatte zur Folge, dass es zu schmerzhaften Entzündungen der Extremitäten kam. "Die Kranken wurden bei Eintritt in das Hospital des Ordens vor die beeindruckende Kreuzigungsgruppe geführt - und sahen in der Darstellung des leidenden Menschen Jesus am Kreuz auch ihr schmerzvolles Leiden - und erhofften sich hierdurch Linderung und Trost in ihrer Krankheit", so Ziorkewicz weiter. Dieser besondere "Sitz im Leben" des Kunstwerkes sei besonders wichtig für das Verstehen der Gesamtkonzeption des Flügelaltars in der Kirche. "Die Aufstellung in einem Museum immunisiert in einer gewissen Weise die Funktion der Bilder", erläutert Referent Ziorkewicz weiter.

"Wucht und Zauber beeindrucken"

Dennoch konnte sich keiner der Beteiligten der Wucht und dem Zauber dieses großen, singulären und bedeutenden Kunstwerkes entziehen, wie die vielen angeregten Diskussionen auf der Heimfahrt bewiesen haben. Und immer ging es auch um die Frage: "Hast du erfüllt, was Gott dir auftrug" bzw. anders ausgedrückt: "Führst du das richtige Leben?" Die Auseinandersetzung mit Kunst und Künstlern stellt diese Frage immer wieder neu. Diesmal in Colmar.


top