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Alter Dom St. Johannis

Entdeckung in Frankfurt / Farbige Ausmalungsentwürfe aufgefunden

Bisher unbekannte Farbzeichnung des Innenraums von St. Johannis 1906/1907, Längsschnitt

Im Zusammenhang mit einem Projekt der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), das die virtuelle Rekonstruktion der Bauphasen von St. Johannis umsetzte, konnten bisher der Öffentlichkeit unbekannte Farbzeichnungen des Innenraums von St. Johannis ausgemacht werden.

Farbige Ausmalungsentwürfe zur Johannis-Kirche aus dem Jahre 1906 von Friedrich Pützer in Archiv in Frankfurt gefunden / Virtuelle Rekonstruktion der Baugeschichte vorgestellt

Mainz, 5. September 2018. Die komplexen Untersuchungen zum Alten Dom St. Johannis in Mainz umfassen nicht nur die archäologischen Ausgrabungen in der Kirche selbst, sondern auch Nachforschungen in Bibliotheken und Archiven. Im Zusammenhang mit einem Projekt der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), das die virtuelle Rekonstruktion der Bauphasen von St. Johannis umsetzte, konnten bisher der Öffentlichkeit unbekannte Farbzeichnungen des Innenraums von St. Johannis ausgemacht werden. Es handelt sich um aquarellierte Bleistiftentwürfe von Otto Linnemann, die er im Jahre 1907 zur Umgestaltung der Kirche durch den Darmstädter Architekten Friedrich Pützer anfertigte. Die Zeichnungen sind Bestandteil des Linnemann-Archivs in Frankfurt. Otto Linnemann und sein Bruder Rudolf führten damals die Innenausmalung von St. Johannis aus. Das Glasmalereiatelier Linnemann war das führende Atelier für Historismus und Jugendstil und stellten neben Glasmalereien für zahlreiche Sakral- und Profanbauten im In- und Ausland auch Wandmalereien her. Das Archiv der beiden Brüder wird zurzeit von der Kunsthistorikerin Bettina Schüpke im Rahmen ihrer Doktorarbeit systematisch erforscht.

Den entscheidenden Hinweis auf die Dokumente gab Regina Stefan, Professorin an der Mainzer Hochschule und Spezialistin für Jugendstil. 2016 machte sie Margrit Schulz, Kirchenbaudirektorin der EKHN, im Rahmen der Pützerausstellung im Mainzer Landesmuseum auf das Linnemannarchiv in Frankfurt aufmerksam. Nach der ersten Kontaktaufnahme durch Marc Grellert, Geschäftsführer von Architectura Virtualis, mit Schüpke und der Sichtung des Materials war die Bedeutung für die Rekonstruktion schnell klar. Nun ist es möglich, einen farbigen Eindruck der bisher nur durch schwarz-Weiß-Fotografien dokumentierten Kirche zu rekonstruieren. Zusammen mit Bettina Schüpke wurden die endgültigen Farb-Einstellungen anhand ihrer Kenntnisse des Werks der Linnemanns am Computer in Darmstadt durchgeführt.  Sie werden am 7. September zur Nacht der offenen Kirchen und am 9. September im Rahmen des Tags des offenen Denkmals im Alten Dom St. Johannis erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Farbrekonstruktion ist eingebettet in einen Gesamtfilm, der sieben Bauphasen des Alten Doms vorstellt. Neben der filmischen Darstellung wird die Baugeschichte von St. Johannis auch durch haptische Schnittmodelle visualisiert, die die Bauphasen von außen und innen zeigen. Die wissenschaftliche Leitung des Gesamtprojekts liegt bei Guido Faccani. Von Seiten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau wird das Projekt von dem Baureferat der Kirchenverwaltung der EKHN durch Kirchenbaudirektorin Margrit Schulz und Kirchenbaurat Wolfgang Feilberg betreut.


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