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Fund des Monats

Verweis auf Glaube, Hoffnung, Liebe - Rosenkranz aus dem 16. Jahrhundert

Ein fast kompletter Rosenkranz wurde in St. Johannis gefunden

Beim Freilegen eines barocken oder renaissancezeitlichen Grabes im Nordquerarm der St. Johanniskirche ließ sich ein fast vollständiger Rosenkranz aus Holz in situ nachweisen. Im Einzelnen konnten sechs größere Rosenkranz- bzw. Paternosterperlen mit einen Durchmesser von ca. 1,0 cm und mindestens 50 kleine Perlen bzw. Ave-Perlen mit einem Durchmesser von ca. 0,8 cm geborgen werden.

Womöglich bestand der Rosenkranz ursprünglich aus fünf Gesätzen zu zehn kleineren Perlen, unterbrochen durch je eine etwas größere Perle. Ein derartig gegliederter Aufbau ist seit dem 16. Jahrhundert die klassische Form des Rosenkranzes. Der Rosenkranz erfuhr nach dem Konzil von Trient (1545/63) besondere Beliebtheit. Papst Pius V. versuchte das Reformwerk des Konzils umzusetzen und konnte im Jahr 1569 die noch bis heute gebräuchliche Gebetsweise des Rosenkranz offiziell festlegen.

Den Abschluss des Rosenkranzes aus dem Nordquerarm bildeten wahrscheinlich drei kleine Perlen, welche für die Bitten um die christlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe stehen (vgl. 1. Korinther 13,13) sowie ein Kreuz aus drei Teilen, alles aus Holz (Abb. 1). Der genaue Aufbau des Rosenkranzes lässt sich nicht mehr genau rekonstruieren, da die Schnur für die Perlen fehlte und die archäologische Befundsituation keine genaueren Rückschlüsse zuließ.

Gebetsketten und Rosenkränze bzw. auch vereinzelte Perlen konnten europaweit immer wieder archäologisch nachgewiesen werden. So sind neben Rosenkränzen aus Holz auch Rosenkränze aus Gagat, Bergkristall, Bernstein, Bein bzw. Knochen, Kernen bzw. Fruchtkernen, Bronze und Glas bekannt. In vereinzelten Fällen wurden Rosenkränze mit Perlen unterschiedlicher Materialien geborgen, so beispielsweise eine Rosenkranzkette (Ende 17. Jh./Anfang 18. Jh.) aus der Stadtkirche und Dreikönigskapelle Baden in der Schweiz, deren Vaterunser-Perlen aus Glas und die kleineren Ave-Maria-Perlen aus Knochen gefertigt sind. Nicht nur als Zeichen der Frömmigkeit sondern auch als Statussymbol eines eher privilegierten Personenkreises dienten die wertvollen und archäologisch selten nachgewiesenen Rosenkränze aus Bergkristall, Bernstein, Gagat und Glas. Im Gegensatz dazu sind die meisten archäologisch dokumentierten Rosenkränze sehr schlicht und aus Materialien wie Holz oder Knochen hergestellt. Ihr ursprünglicher Anteil unter den Grabbeigaben lag sicherlich noch viel höher, da zahlreiche dieser aus organischem Material gefertigten Devotionalien im Boden verrottet sind.

Im 16./17. Jh. war es in katholischen Gebieten gängiger Brauch, den Toten einen Rosenkranz bzw. eine Paternosterschnur mit ins Grab zu geben, so stellte 1631 der Jesuit Nikolaus Cusanus aus Kues an der Mosel in seinem Buch "Christliche Zucht Schul" die Frage "Soll man die Todten mit ihren Rosenkräntzen [...] begraben?" Er gibt darauf folgende Antwort: "Nein / sonder man soll sie den andern geben / damit sie denselben brauchen...."

Jonathan Burrows


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